
Der Oktober war ein Messemonat: VISION in Stuttgart, Alimentaria FoodTech in Barcelona und Pack Expo in Chicago. Überall dieselbe Botschaft: Ein Inspektions- oder End-of-Line-System wird nicht mehr nur daran gemessen, was es ausschleust oder palettiert, sondern an den Daten, die es liefert. Und in Brüssel hat das Parlament dafür gestimmt, kleine Unternehmen von einer PPWR-Pflicht zu entlasten.
Technik und Entwicklungen

Röntgensysteme, die ihre Ausschleusungen erklären
Eagle aus der Mettler-Toledo-Gruppe hat auf der Pack Expo SimulTask 6 vorgestellt, die neue Software seiner Röntgeninspektionssysteme. Sie zeigt in Echtzeit Durchsatz, gute und ausgeschleuste Packungen und den Grund jeder Ausschleusung; dazu kommen Prüfroutinen inline und offline, automatische Prüfungen beim Anfahren, PDF-Berichte pro Charge und Anmeldung per RFID.
Was es bringt: Wird jede Ausschleusung mit Ursache erfasst, lässt sich ein echter Fremdkörper von einer Fehlausschleusung unterscheiden, und man sieht, in welcher Schicht oder bei welchem Artikel sie sich häufen. Chargenberichte sparen Stunden bei der Audit-Vorbereitung. Vor der Investition: Verlangen Sie einen Test mit Ihrem Produkt, fragen Sie, wie die Daten in Ihre Systeme gelangen und wer das KI-Modell prüft, wenn sich Rezeptur oder Verpackung ändern.

Cobots mit 24 kg zum Palettieren
Bosch Rexroth zeigte auf der Pack Expo eine komplette Palettierzelle mit dem Förderer VarioFlow plus, Aluminiumprofilen und dem Cobot KR 1824 von Kassow Robots. Der im Frühjahr vorgestellte Siebenachser hat 24 kg Traglast und 1.800 mm Reichweite und ist für Palettieren, Verpacken und Linienende gedacht.
Was es bringt: Mit mehr Traglast und Reichweite erreicht ein Cobot schwerere Kartons und Gebinde und höhere Paletten, ein Bereich, der bisher fast immer eingezäunten Industrierobotern vorbehalten war. Worauf achten: Die Traglast schließt den Greifer ein, also Karton und Werkzeug zusammenrechnen; prüfen Sie, welche Palettenhöhe mit Ihrem Packschema erreicht wird, die reale Taktleistung und die Risikobeurteilung der Zelle.
Quelle: Packaging Technology Today, 19-10-2026; New Equipment Digest, 07-05-2026
Industrie 4.0 und 5.0

Die KI ist im Werk angekommen, die Daten nur zur Hälfte
Laut dem Bericht State of Smart Manufacturing 2026 von Rockwell Automation nutzen fast 90 % der Lebensmittel- und Getränkehersteller KI oder maschinelles Lernen oder planen dies in Kürze, sie verwerten aber nur rund 45 % der erfassten Daten. Über alle Befragten hinweg soll der Anteil KI-gestützter Prozesse von heute 37 % auf über 60 % im Jahr 2030 steigen; 93 % erwarten, dass diese Projekte ihre Belegschaft verändern, und 40 % haben im vergangenen Jahr Mitarbeitende umgeschult.
Was sich im Werk ändert: Die Bremse ist nicht der Algorithmus, sondern Daten ohne Kontext. Ein Stillstand ohne Ursache oder eine Ausschleusung ohne Grund nützt keiner KI. Bevor man über Modelle nachdenkt, sollte jeder Datenpunkt mit Linie, Schicht, Artikel und Grund ankommen.
Quelle: Rockwell Automation, 28-10-2026
Messen der Branche
Von den gerade beendeten Messen: Die VISION (Stuttgart, 6.-8. Oktober) erzielte mit 494 Ausstellern und über 9.000 Fachbesuchern (+14 %) einen Rekord, mit KI in der Bildverarbeitung als rotem Faden; die nächste findet im Oktober 2028 statt. Oktober) fielen KI-gestützte Röntgeninspektion und Cobots mit höherer Traglast für das Linienende auf. Was ansteht:
NOV
Madrid
Empack Madrid
Maschinen, Materialien und Mehrwegverpackungen in der IFEMA, parallel zur Logistics & Automation Madrid. Der Kongress beginnt mit einer PPWR Academy: zwei Sitzungen zur Anpassung an die Verordnung.
NOV
Nürnberg
SPS
Industrielle Automatisierung mit industrieller KI als Schwerpunkt und Vorträgen zum Cyber Resilience Act der EU.
JAN
Paris
Pharmapack Europe
Pharmaverpackungen und Systeme zur Arzneimittelverabreichung, im Paris Expo Porte de Versailles.
Regulierung: PPWR-Entlastung für kleine Unternehmen
Am 20. Oktober stimmte das Europäische Parlament mit 616 zu 9 Stimmen bei 39 Enthaltungen dafür, die Pflicht auszusetzen, in jedem Land, in dem Verpackungen ohne eigene Niederlassung verkauft werden, einen Bevollmächtigten zu benennen. Sie gälte nur für kleine und Kleinstunternehmen aus der EU (weniger als 50 Beschäftigte und bis 10 Mio. € Umsatz oder Bilanzsumme) bis 2035 oder bis zur Verabschiedung des geplanten Kreislaufwirtschaftsgesetzes. Die übrigen Pflichten der erweiterten Herstellerverantwortung, etwa die Entgelte, bleiben unberührt (Packaging Europe, 21.10.2026).
Es fehlen noch die Position des Rates und die Verhandlungen der Institutionen: Bis zur Veröffentlichung im Amtsblatt gilt die Pflicht weiter. Der Rechtsakt zur harmonisierten Verpackungskennzeichnung ist weiterhin nicht verabschiedet, geplant ist das vierte Quartal (PPWR Connect, 26.10.2026).
Was jetzt zu tun ist: Materialien und Gewichte jeder Verpackung pro Artikel aktuell halten, zusammen mit der Liste der Länder, in denen sie verkauft wird.
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